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Prof. Rainer Franke – Wegbereiter für „Theoretical Drug Design Methods“

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Prof. Dr. Rainer Franke, Foto: M. Fröbus, 1985

Rainer Franke wird am 24. September 1938 in Dresden geboren. Nach dem Besuch der „Kreuzschule“ in Dresden und dem Studium der Chemie an der Technischen Universität Dresden (TU) arbeitet er von 1963 bis 1970 als Assistent und Oberassistent im chemischen Labor des Krankenhauses Dresden-Friedrichstadt. In diese Zeit fällt auch seine Promotion zum Dr. rer. nat. an der TU Dresden.

Anschließend folgt der Einstieg in die akademische Forschung am renommierten Biochemischen Institut der Charité. Zugleich erwirbt er an der Martin-Luther-Universität Halle den Dr. sc. und dort auch 1974 die Facultas docendi für Biochemie. 1978 wird er zum Professor für Medizinische Chemie an der Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW) ernannt.

1971 beginnt seine Mitwirkung bei der Herausarbeitung eines Schwerpunktes in der Wirkstoffforschung in der DDR. Dazu übernimmt er die Verantwortung für den Aufbau der Gruppe Molekulare Pharmakologie im Bereich Wirkstoffforschung des Zentralinstitutes für Molekularbiologie der Akademie der Wissenschaften. In dem aus dem Bereich Wirkstoffforschung 1976 hervorgegangenen Institut für Wirkstoffforschung (IWF) wird er Leiter der Abteilung Theoretische Pharmakologie. Diese entwickelt sich sehr schnell zu einem national und international anerkannten Schwerpunkt.

Prof. Frankes Grundidee ist, die bisher praktizierten „quantitativen Struktur-Wirkungs-Analysen (QSAR)“ zu „theoretical drug design methods“ weiterzuentwickeln. Diese sollen nicht nur die biologische Wirksamkeit noch nicht synthetisierter Verbindungen abschätzen, sondern bis zu Schlussfolgerungen für molekulare Wirkungsmechanismen führen. Diese Grundidee wird in zahlreichen Veröffentlichungen, Monographien, Vorträgen, veranstalteten Kongressen, im hohen Maße auch im westlichen Ausland, dokumentiert. Beispielhaft seien genannt die Monographie „Theoretical Drug Design Methods“ 1984 im Elsevier Verlag Amsterdam und seine führende Rolle bei den „European QSAR conferences“ z. B. als Veranstalter der „2nd Euro QSAR  conference“.  

Aus diesem Grund wird Prof. Franke und die von ihm geleitete Abteilung des Akademieinstitutes für Wirkstoffforschung bei der Evaluierung durch den Wissenschaftsrat der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1990 auch sehr positiv bewertet. Internationale Kommentare aus dieser Zeit bezeichnen ihn als einen „recognized leader in the international QSAR community“.  Seine Arbeiten zur multivariaten Datenanalyse wurden als „Pioneering the introduction of factor analysis and principle component analysis into the QSAR“ hervorgehoben.

Die unübersichtliche Perspektive des Instituts für Wirkstoffforschung veranlasst ihn 1992, das Unternehmen „Consulting in Drug Design  (CDD)“ zu gründen. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter DC Andreas Gruska entwickelt er dieses Unternehmen zu einem anerkannten Partner sowohl für die pharmazeutische und agrochemische Industrie wie für Einrichtungen der Grundlagenforschung. Zugleich ist er wissenschaftlich weiter aktiv mit zahlreichen Vorträgen und Veröffentlichungen u.a. als Co-Editor von „Computer aided drug design in industrial research“ Springer Verlag Berlin Heidelberg, 1995 und 2012.
Da sich sein Gesundheitszustand zunehmend verschlechterte, beendet er 2013 diese
Aufgabe. 2018 zieht er mit seiner Ehefrau Heidi Franke in deren Heimatort Warin bei Schwerin. Hier stirbt er am 15. Oktober 2021 nach gesundheitlich zunehmend komplizierter gewordenen Jahren.

Seine früheren wissenschaftlichen Partner im In- und Ausland, ebenso wie seine früheren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, haben ihn als einen leistungsstarken, von Ideen sprühenden Wissenschaftler in Erinnerung und werden Prof. Rainer Franke als einen Wegbereiter einer modernen molekular orientierten Pharmakologie in Erinnerung behalten.

Prof. Peter Oehme                                 
Gründungsdirektor des ehemaligen                 
Instituts für Wirkstoffforschung

DC Andreas Gruska   und  Dr. Gerd Krause

 

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